Privatschule St. Maximin, Trier

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

November 2011: Interview mit den Schülerinnen Annette Chaghouri, Anne-Kathrin Knaebel, Pauline Reiter und ihr Projektleiter und Konrektor Michael Wengenroth. Sie erzählen über ihr Projekt und der Entwicklung.

kinderwelten: Könnt ihr uns kurz beschreiben, wie und wo ihr euch mit dem Angalan-Projekt engagiert?

Annette (16 Jahre): Angefangen hat alles vor 10 Jahren mit dem Auf- und Ausbau einer Urwaldschule mit Kindergarten. Ich selbst habe das nicht mitbekommen, ich war damals noch im Kindergarten! 2003 hat meine Schule dann damit begonnen, Familien eine Existenz aufzubauen. Unter dem Motto „Hilfe für ein menschenwürdigeres Leben" haben wir damit bis heute mehr als 40 Familien in 22 Großprojekten geholfen. Unser oberstes Ziel war immer, dass möglichst viele Kinder durch den Existenzaufbau der Eltern eine Schule besuchen können. Alle unsere Projekte - im Moment sind es drei aktuelle: „Bago Puan - raus aus dem Elend", „Amakan - gegen Kinderarbeit" und „ Floating-House" - werden von unserem Projektleiter und Konrektor Herrn Wengenroth persönlich vor Ort auf den Philippinen umgesetzt. Ich selbst bin seit 4 Jahren in verschiedenen Angalan-Projekten aktiv und wurde letztes Jahr sogar zum „Angalan-Eagle-Scout" gewählt. Natürlich unterstütze ich auch persönlich eines der 11 „Schulpatenprojekte" für Kinder aus Elendsvierteln und den Urwaldgebieten. Also: Angalan hat 3 Säulen:
1. Schulbau, 2. Familienhilfsprojekte und 3. Schulpatenschaften. Wie Albert Schweitzer gesagt hat: „Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen.


kinderwelten: Wie hat sich das Projekt entwickelt, seit ihr im vergangenen Jahr den kinderwelten Award gewonnen habt und wofür habt ihr die 5.000 Euro Preisgeld eingesetzt?

Anne-Kathrin (15 Jahre): Wir sind natürlich sehr, sehr stolz über diese Auszeichnung, auch über die große Resonanz in den örtlichen Medien. Motiviert durch diesen Preis gehen wir nun die aktuellen Projekte an. Im Projekt „Bago Puan" haben wir schon erste Erfolge erreicht: Herr Bigwas hat unseren Rollstuhl und die Rücken- und Halswirbelstabilisatoren erhalten. Einen Teil des gewonnen Geldes wollen wir dafür verwenden, dass der älteste Sohn dieser Familie einen Führerschein macht und ihm als Existenzaufbau ein Motorradtaxi kaufen. Teile des Preisgeldes verwenden wir auch für das Projekt „Amakan - gegen Kinderarbeit". Wir wollen der Familie Schneidemaschinen kaufen und das Startkapital für einen eigenen kleinen Betrieb geben. Damit können sie ältere Jugendliche einstellen, die eigenen Kinder brauchen dann nicht mehr die „Sklavenarbeit" für die Großgrundbesitzer zu machen und können erstmals eine Schule besuchen. Einen weiteren Teil des Geldes halten wir als Reserve für unsere „Schulpatenkinder" zurück. Es kommt immer wieder vor, dass eines der Kinder krank wird und so können wir in Notfällen mit Medikamenten oder Arztbesuchen helfen.


kinderwelten: Wer ist bei euch die treibende Kraft an der Schule und was tragt ihr selbst zu dem Projekt bei? Welche Tipps könnt ihr Schulen geben, die sich bisher noch nicht engagieren?

Pauline (15 Jahre): Natürlich ist Herr Wengenroth die treibende Kraft. Aber er hat ja auch uns, die „Angalan-Eagle-Scouts"! Momentan besteht unsere „Truppe" aus 20 Mädchen und Jungen aller Altersklassen. Wir planen, organisieren, besprechen und führen Aktionen auch selbst durch. Und wir helfen auch anderen bei ihren Projekten. Außerdem planen wir unsere Newsletter und was auf unserer Homepage (www.angalan.de), in Facebook (Angalan Projekt) oder in unsere neuen Flyer kommt.
Tipps für andere Schulen: „Wer aktiv ist, kann etwas bewegen." In jeder Schule gibt es heute Kinder oder Jugendliche aus anderen, zum Teil armen Ländern. Da kann man ansetzen, nachfragen, Informationen und vielleicht auch einen zuverlässigen Ansprechpartner gewinnen. Und die Lehrer sollten das Projekt in möglichst ALLEN Unterrichtsfächern einarbeiten! Außerdem sollte man kleine überschaubare Projekte planen, bei denen schnell Erfolge zu sehen sind, denn das motiviert und man gewinnt schnell auch andere Mitschüler.


kinderwelten: Herr Wengenroth, was hat ihrer Meinung nach die Auszeichnung ihrer Schülerinnen und Schüler mit dem kinderwelten Award bei den jungen Menschen bewirkt?

Michael Wengenroth: Zuerst einmal waren sie riesig stolz! Als Hauptschule (mit Mittlerer Reife) auf den 2. Platz bundesweit in der Kategorie „Weiterführende Schulen" zu kommen, hat das Selbstbewusstsein aller Mädchen und Jungen meiner Schule bestärkt. Besonders auch Kinder, die mit klassischen schulischen Leistungen Probleme haben, erfuhren durch diesen Preis eine enorme Bestätigung. Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und soziales Engagement im Angalan-Projekt lassen bei unseren Kindern wachsendes Selbstwertgefühl erkennen - und so erfahren sie Bestätigungen auch außerhalb von „Mathe, Englisch, Deutsch und co". Aber auch das Schulprofil von St. Maximin wurde durch die Auszeichnung einer breiten Öffentlichkeit erneut vor Augen geführt. Das hat den guten Ruf unserer Schule nach Außen hin bestätigt und verstärkt.
Wir wünschen möglichst vielen Schulen mit ihren Mädchen und Jungen bzw. Jugendlichen, dass sie einmal mit ihren Projekten eine solch hohe Auszeichnung erhalten. Aber auch wenn so etwas nicht klappt - Erfolge, Bestätigungen und Freude gewinnt man in und an seinem Projekt, für das man sich engagiert.